"Der Sternenseher" von Jamal Mahjoub

von Karin Bley

Jamal Mahjoubs historischer Roman "Der Sternenseher" führt den Leser zunächst ins Algier des 17. Jahrhunderts und erzählt von Raschid Al Kenzey, dem Sohn einer nubischen Sklavin. Dieser soll zu Unrecht für einen Mord büßen. Der Dei von Algier, als der vom Sultan bestätigte Führer der Janitscharen, macht Al Kenzy das Angebot, ihn am Leben zu lassen - wenn der Angeklagte ihm dafür eine Gefälligkeit erweist: Al Kenzy soll nach Nordeuropa, genau gesagt, nach Jütland reisen und dem Dei das sagenumwobene Teleskop besorgen. In Jütland angekommen, trifft Al Kenzy auf Verner Heinesen, einen Schüler Tycho Brahes, der beweisen will, dass sich die Erde um die Sonne dreht. Al Kenzy unterstützt Heinesen bei diesem gefährlichen, weil ketzerischen Unterfangen, zwischen den beiden entspinnt sich eine Freundschaft. Als Heinesen stirbt, muss Al Kenzy aus Jütland fliehen, denn die Dorfbewohner glauben, in ihm den schwarzen Teufel zu sehen.

Parallel dazu werden die Forschungen beschrieben, die drei Jahrhunderte später die Wissenschaftler auf den Spuren Heinesens auf Jütland durchführen. Dabei wird ein Kästchen mit arabischer Inschrift gefunden, das Rätsel aufgibt. Diese Rätsel soll der Archäologe Hassan lösen.

Mahjoub stellt das Algier des 17. Jahrhunderts in seiner orientalischen Üppigkeit wunderschön dar und man verfällt beim Lesen ein weiteres Mal diesem Zauber. Auch die Beschreibung von Al Kenzys Leben in Jütland beeindruckt durch die Lebendigkeit und Fülle von Mahjoubs Sprache.

Die parallel geführten Handlungsstränge bilden einen Spannungsbogen, der es dem Leser schwer macht, das Buch aus der Hand zu legen, scheinen doch die Fragen, die in dem einen Zeitgeschehen aufgeworfen werden, gleich im anderen in die Nähe einer Lösung gebracht zu werden. Aber man muss tatsächlich bis zur letzten Seite lesen, um die Lösung zu kennen. Es nützt übrigens auch wenig, die letzten zwei Seiten zuerst zu lesen.

Jamal Mahjoub, Sohn einer Engländerin und eines Sudanesen, versteht es hervorragend, seine Figuren zum Leben zu erwecken und sie in einer faszinierenden Welt agieren zu lassen. Der Leser findet sich problemlos in die Geschichte ein und wird zum stillen Beobachter. Man schwitzt und leidet in Algier, man friert in Jütland und kann den Blick über die Schulter der Akteure nicht lassen.

Jamal Mahjoub
Der Sternenseher
Aus dem Englischen übertragen von Barbara Jung und Sabine Saßmann
Wilhelm Goldmann Verlag, München
ISBN 3-442-72400-7, Preis: € 9,00

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