Hepatitis A - eine häufig auftretende Viruserkrankung, auch in Ägypten
von Claudia Péan
Im Juli infizierten sich deutsche Urlauber in einem Hotel in Hurghada mit Hepatitis A. Was genau verbirgt sich hinter dieser Krankheit? Wie geht man mit ihr um und wie kann man sich vor ihr schützen?
Papyrus fragte nach bei Frau Dr. Mona Abu-Zekry, Vertragsärztin der Deutschen Botschaft. Vertreter der Botschaft - unter anderem die neue Regionalärztin Dr. Handräke - waren im Juli, als sich die tragischen Fälle in Hurghada zugetragen haben, vor Ort, um zu helfen und sich persönlich ein Bild zu machen. Rund 130 Patienten, so berichtet Dr. Abu-Zekry, hatten sich in nur einem Hotel mit der infektiösen Gelbsucht des Virustyps A infiziert. Ein Einzelfall. Weniger spektakuläre Fälle einer Hepatitis A-Infektion kämen gerade in den Sommermonaten unter Urlaubern immer wieder vor.
Die Hepatitis A ist eine weltweit, besonders aber in den Tropen verbreitete Virusinfektion der Leber. Die Viren werden vom Darm ausgeschieden und die Infektion wird dann von Mensch zu Mensch durch engen Kontakt, Berührung von Nahrungsmittel (z. B. Muscheln, Shrimps, Salat), durch infiziertes Wasser oder nicht durchgekochte Speisen direkt übertragen.
Die Erkrankung verläuft bei Kindern häufig unbemerkt oder sehr leicht. Bei Erwachsenen ist Hepatitis A ebenfalls im Prinzip harmlos, verursacht jedoch im akuten Stadium unangenehme Beschwerden einer Allgemeininfektion, zum Beispiel andauernde Kreislaufprobleme, Übelkeit, Schwäche, Durchfall. Zu Anfang ist die Krankheit immer ansteckend, man muss mit einer längeren Arbeitsunfähigkeit rechnen. Bei guter Pflege ist die Virusinfektion gut heilbar; Todesfälle an Hepatitis A sind extrem selten.
Zur Diagnose von Hepatitis A gehört jedenfalls eine ärztliche Untersuchung. Fieber messen, die Farbe des Urins und Stuhls, Veränderungen der Leber, Gallensteine und ein genaues Blutbild geben erste Hinweise. Alarmzeichen sind eine dunkle Urinfarbe und ein grau-weißer Stuhl. Zum Beweis einer Hepatitis A gehören Antikörpernachweise im Blut wie Anti-HAV, ggf. Anti-HAV IgM (Anti-Hepatitis A-Virus Immunoglobulin M).
Eine spezifische Therapie bei dieser Viruskrankheit gibt es nicht. Auf alle Fälle sind in Falle einer Infektion leichte Diät (viel Kohlehydrate, wenig Fett), Bettruhe und allgemeine Pflege angesagt. Absolut untersagt ist Alkohol, denn Alkohol kann das Krankheitsbild erheblich erschweren. Auch Medikamente, die leberschädigende Wirkung haben könnten, sollten nicht eingenommen werden.
Wie kann man sich vor dieser Virusinfektion schützen? Allgemeine Prophylaxe gegen Hepatitis A besteht im Vermeiden von entsprechend infizierten Nahrungsmitteln oder Trinkwasser bzw. deren Aufbereitung. In den EU-Ländern werden alle 3 bis 6 Monate dem Küchen- bzw. Hotelpersonal Stuhlproben entnommen. Ob ähnliche Kontrollen auch in Ägypten und wenn ja dann sorgfältig und umfassend durchgeführt werden, darüber liegen der Redaktion keine Informationen vor.
Ganz wichtig ist auch der absolut hygienische Umgang mit Besteck und Geschirr. Weiter sollte die Kühlkette von verschiedenen Nahrungsmitteln, wie z.B. frischer Fisch oder Fleisch, Muscheln und Milchprodukten nicht unterbrochen werden. Massive Vorsicht ist bei Hotelbuffets geboten, wo Speisen oft stundenlang oder nicht genügend gekühlt an einem Ort verweilen, bis sie zum Verzehr kommen.
Wenn man, wie in Ägypten ca. drei Viertel der Bevölkerung, mit dieser Krankheit "aufwächst", ist man immun, d.h. der Körper hat Abwehrkörper entwickelt. In diesem Fall ist keine Schutzimpfung mehr nötig.
Falls Sie hier in Ägypten leben oder auf Urlaub sind und keinen Impfschutz gegen Hepatitis A haben, lassen sie sich auf alle Fälle sofort impfen. Diese Impfung schützt sie gegen eine Krankheit, die sehr unangenehm zu ertragen ist und in jedem Fall ihre Gesundheit stark belastet.
Laut Dr. Mona Abu-Zekry sind sehr gute Impfstoffe verfügbar, die einen mindestens zehn Jahre anhaltenden Schutz bieten. Sie müssen aber die Injektionen in den Oberarm genau befolgen. Auf die erste Impfung folgt - je nach Präparat - die zweite Impfung nach 6 bis 12 Monaten. Die erste Injektion gewährt nur einen auf ein halbes bis zu einem Jahr befristeten Schutz. Neuerdings ist die Impfung gegen Hepatitis A und B durch die Gabe eines Kombinationsimpfstoffes möglich, der wegen der Hepatitis B-Komponente dreimal gegeben werden muss (in diesem Fall erfolgt die 2. Impfung nach 4 Wochen, die 3. Impfung nach 6 bis 12. Monaten). Die Impfstoffe werden in der Regel sehr gut vertragen und können auch noch kurz vor Antritt der Reise geimpft werden. Hepatitis B und noch stärker Hepatitis C sind wesentlich gefährlichere Infektionen mit einem anderen Viruswert als Hepatitis A, die über z.B. Bluttransfusionen, Speichel übertragen werden und zu Leberkrebs führen können.
Haben Sie sich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen mit Hepatitis A infiziert, so sollten Sie nur mit Personen mit ausreichendem Impfschutz Kontakt halten und sich von ihnen pflegen lassen. Aber auch dann sollte ausgeprägte Hygiene, insbesondere im Toilettenbereich, absolute Voraussetzung sein, denn Hepatitis A-Viren werden mit dem Stuhl ausgeschieden. Wenn möglich, sollten Hepatitis A-Patienten eine eigene Toilette benützen. Bettwäsche und Handtücher sollten so oft wie möglich gewechselt und nach Gebrauch ausgekocht werden.
Bitte beachten Sie, dass dieser kurze Überblick über eine infektiöse
Viruserkrankung einen Arztbesuch nicht ersetzen kann. Wenden Sie sich daher
IMMER im Verdacht auf diese Krankheit oder auch andere Tropenkrankheiten, wie
z.B. Typhus, SOFORT an einen Arzt oder das nächst gelegene Krankenhaus!
Lang anhaltendes oder hohes Fieber, Schüttelfrost, Durchfall oder Erbrechen
gehören unbedingt sofort von einem geschulten medizinischen Personal diagnostiziert
und behandelt. Nehmen Sie einen Urlaub oder den Aufenthalt in tropischen Ländern
und deren mögliche gesundheitliche Risiken immer ernst. So bleiben Sie
gesund!