Reisende Frauen sind
heute nichts Ungewöhnliches mehr, aber noch vor gut hundert Jahren verstießen
Frauen gegen die guten Sitten, wenn sie sich zu ihrer Reiselust bekannten.
Nicht nur das, sie nahmen auch ungeheure Strapazen auf sich, trotzten eisiger
Kälte und sengender Hitze, mussten mit primitiven Unterkünften und unbequemen
Transportmitteln vorlieb nehmen und wurden nicht zuletzt durch ihre hinderlichen
Röcken beeinträchtigt
Dieses wunderschön bebilderte und von der
Autorin selbst liebevoll gestaltete Buch, mit alten Drucken, historischen
Landkarten und Fotos von früher ausgestattet, lädt nicht nur zum Schmökern,
sondern auch zum Blättern ein. Es schildert die Erlebnisse unserer reiselustigen
Wegbereiterinnen über drei Jahrhunderte hinweg und führt uns von Europa über
Arabien und Afrika, Persien und Indien bis nach China und Japan und schließlich
nach Nord- und Südamerika.
Für uns vielleicht von besonderem
Interesse ist das Kapitel über Ägypten, die unterhaltsamen Beschreibungen
der Pyramidenbesteigung: „Ich rate meinen Landsmänninnen dringend, dabei die
Krinoline in Kairo zu lassen“, wie Emily Beauforts guter Ratschlag lautete.
Weitere Themen sind das allgegenwärtige Ungeziefer – gegen das ein „Bettsack“
Abhilfe schaffen soll –, die häufigen Überfälle durch Plünderer, aber auch
der Harem, den die abenteuerlustigen Damen besichtigten, nicht zuletzt, um
die Neugier europäischer Männer zu befriedigen.
Es waren vor allem Engländerinnen
wie Mary Wollstonecraft („Briefe, geschrieben während eines kurzen Aufenthalts
in Schweden, Norwegen und Dänemark“, 1796) und ihre Tochter Mary Shelley sowie
Harriet Martineau („Eastern Life, Present and Past“, 1848), Sophia Poole („An
Englishwoman in Egypt“, 1844) und Florence Nightingale („Letters from Egypt:
A Journey on the Nile, 1849-1850“), die es in die Welt hinaus zog und aus
deren spannenden und amüsanten Reiseschilderungen zitiert wird. Auch die österreichische
Weltreisende Ida Pfeiffer („Reise in das Heilige Land. Konstantinopel, Palästina,
Ägypten im Jahre 1842“), die Französinnen Flora Tristan („Meine Reise nach
Peru“, 1838) und Germaine de Staël („Corinna oder Italien“) und die Schweizerin
Isabelle Eberhardt („Sandmeere“) kommen zu Wort und entführen uns in ferne
Länder und damals noch weitgehend unbekannte Gegenden.
pp
Die
Krinoline bleibt in Kairo – Reisende Frauen 1650 bis 1900
Barbara
Hodgson, aus dem Englischen übersetzt von Dörte Fuchs, Jutta Orth und Gisela
Sturm.
Gerstenberg
Verlag, Hildesheim, 2004. 24,00 €