„Vom Nil bis an den Hindukusch

- Der Nahe Osten und die neue Weltordnung

 

 

Der Nahe Osten ist eine konfliktbeladene Region. Die Kriegs- und Krisenmeldungen aus diesem Teil der Welt lassen oft keine Zeit mehr, danach zu fragen, wie es eigentlich dazu gekommen ist. Die Tagesberichterstattung in den Medien ist vollauf mit den neuesten Katastrophenmeldungen beschäftigt und vermag kaum mehr, als hinter den Ereignissen her zu schreiben oder zu senden. In seinem neuen Buch versucht der scheidende SZ-Korrespondent Heiko Flottau, historische Tiefe herzustellen, Zusammenhänge aufzuzeigen und geschichtliche Entwicklungen nachzuzeichnen.

Dazu erzählt er zunächst von den unterschiedlichen Befreiungsversuchen – von den westlichen „Befreiungsversuchen“ in Form der Kreuzzüge und dann von den Versuchen arabischer Länder, sich von den Kolonialmächten zu lösen. Er versucht zu klären, warum es zu wirklicher Freiheit in der Region bis heute nicht gekommen ist.

 

Es folgt eine Analyse der drei schwierigsten und konfliktreichsten Gebiete im Nahen Osten – Palästina, Irak, Saudi-Arabien. Anhand der Geschichte dieser Länder schildert Heiko Flottau, wie ein großer Teil der nahöstlichen Problematik ihren Ursprung in europäischen Entwicklungen und Entscheidungen hatte.

Weiter finden sich Porträts von Israels Ministerpräsident Ariel Sharon und dem kürzlich gestorbenen Palästinenserführer Jassir Arafat; der Autor schlägt sich dabei auf keine Seite, sondern versucht, eine kritische Einschätzung der beiden Protagonisten, ihrer Entscheidungen und Beweggründe.

Dem Verhältnis von Islam und westlicher Welt ist ein umfangreiches Kapitel gewidmet, in dem den Wurzeln der gegenseitigen „Hassliebe“ nachgespürt wird.

Danach umreißt er den Gegenentwurf zum Westen, den die islamistische Bewegung versucht, die von der irrigen Annahme ausgeht, es habe im Islam eine ideale Anfangszeit gegeben, die man wiederherstellen könne und müsse.

 

Sehr spannend zu lesen ist das Kapitel „Amerika- das neue Rom“ in dem der Autor sich mit der Rolle der Vereinigten Staaten und ihrem Einfluss im Nahen Osten beschäftigt. Er hat viel Hintergrundmaterial über das Welt- und Geschichtsbild der Neokonservativen zusammengetragen und beleuchtet vor diesem Hintergrund Äußerungen und Entscheidungen der Bush-Regierung, die auf eine Neuordnung des Nahen und Mittleren Ostens hinzielen.

Kritisch, aber mit Augenmaß, zeichnet Heiko Flottau das Bild einer zerrütteten Region, die nicht zur Ruhe kommt. Flottaus Buch ist ein hilfreiches Kompendium, das den Leser gut informiert und es ihm ermöglicht, weit über das Tagesgeschehen hinaus Zusammenhänge zu verstehen.

mg

 

 

Buchangaben:

Heiko Flottau

Vom Nil bis an den Hindukusch – Der nahe Osten und die neue Weltordnung

Droemer 2004

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