Lichter von Kairo
von Petra Post
Dies ist der vielversprechende Titel eines im Kairo der 80er Jahre spielenden Romans der deutschen Autorin Irmgard M. Sterner. Erschienen in der Reihe "Städte-Krimis" des Dittrich Verlags, handelt es sich hierbei um einen fesselnden Nahost-Thriller mit Schauplatz Kairo. George Hannah, ein erfolgreicher ägyptischer Geschäftsmann mit Sitz in Hamburg, wird von seiner Ex-Freundin Rose gebeten, in Kairo Nachforschungen über den Verbleib ihrer Tochter Helen anzustellen, die scheinbar spurlos verschwunden ist. George reist nach Ägypten und entdeckt, dass Helen als Agentin arbeitet. Im Zuge seiner Recherchen stößt er auf die Machenschaften des israelischen Geheimdienstes, der mit Hilfe ägyptischer Kreise dort operiert. Er wird in den Sog der Ereignisse hineingezogen und muss erkennen, dass das Kairo seiner Erinnerung nicht mehr existiert.
Bei diesem Roman, dem Erstlingswerk der Autorin, handelt es sich nicht nur um eine spannend erzählte Geschichte, sondern auch um die Schilderung der Entfremdung und inneren Zerrissenheit Georges.
Vor allem hier in Kairo lebende LeserInnen - oder auch solche, deren Heimat es einst war - werden bei der Lektüre dieses Buchs auf viel Bekanntes stoßen: anschaulich geschilderte Schauplätze, die Einsprengsel ägyptischer Floskeln und Redewendungen, die die Atmosphäre der Stadt lebendig werden lassen.
Irmgard M. Sterner, die im Alter von 23 Jahren auf der Suche nach einer anderen Welt nach Ägypten kam und fünf Jahre in Kairo verbrachte, gelingt es, nicht zuletzt auf Grund ihrer hier gesammelten Erfahrungen, ihrer guten Sprachkenntnisse und vielleicht auch ihres Studiums der Islamwissenschaft, diese, uns vertraute Stadt mit ihren Vorzügen und Nachteilen vor unserem geistigen Auge auferstehen zu lassen. Sie empfand hier ein Gefühl der Zugehörigkeit, wie sie gegenüber "Papyrus" betont und genoss das "ganz andere Lebensgefühl, das man hat, wenn man Arabisch spricht". Die Kultur dieses Landes sprach sie emotional an und sie wollte zeigen, dass die Menschen in Kairo trotz aller Widrigkeiten ihren Humor nicht verlieren. Die Frage nach der eigenen Identität in einer fremden, allmählich vertrauter werdenden Umgebung ließ Irmgard M. Sterner einen Protagonisten kreieren, der mit seinen verschiedenen Ichs konfrontiert wird. Dieses Buch ist also auch eine Verarbeitung ihrer persönlichen Erlebnisse in Ägypten, in einer, wie sie findet, politisch interessanten Zeit.
Ingrid M. Sterner, die mit ihrem sechsjährigen Sohn Darjusch in Hamburg lebt, denkt an einen Folgeroman: George in Afghanistan. Zur Zeit arbeitet sie an einem Buch, das die deutsche Vergangenheit und Gegenwart zum Thema hat. Weitere Veröffentlichungen von ihr: "Menschen am Nil", Novellen von Yaha el-Tahir Abdallah, die sie zusammen mit Hartmuth Fähndrich aus dem Arabischen übersetzt hat.
"Lichter von Kairo" ist 2001 im Dittrichs Verlag, Köln, erschienen und kostet 19,00 Euro.